Cinéclub

PRÄSENTATION DER SAISON 2020-2021

« En voiture Simone ! »

« Le cinéma ne nous donne pas une image à laquelle il ajouterait le mouvement, il nous donne immédiatement une image-mouvement. » 

(Gilles Deleuze, Cinéma I : L’image-mouvement, 1983)

« En voiture Simone ! » Der Cinéclub Fenêtres sur cour lädt Sie während der Saison 2020-2021 dazu ein, mit gutem Gewissen Ihren CO2-Fußabdruck zu sprengen. Dazu brauchen Sie aber weder ein Luxusauto noch ein Abonnement des Magazins Turbo. Der Cinéclub nimmt Fahrt auf, indem er Sie auf eine kraftvolle, motorisierte Reise mitnimmt, die Sie ans Steuer von Diesellastwagen, Lokomotiven oder auf den Beifahrersitz eines größenwahnsinnigen Opernliebhabers stellt.

Zu Beginn unserer Reise besteigen wir post-apokalyptische Maschinen, die im Zickzack durch eine glühende Wüste rasen und mit jedem Gangwechsel die Abgaswolken aus ihren V8 ausspucken. Wir blicken dabei jedoch nicht auf eine fröhlich vor sich hin hupende Simone, sondern auf die einarmige Furiosa. Das Steuer fest in der einzigen Hand, den Bleifuss bis zum Anschlag aufs Gaspedal gedrückt – so nimmt sie uns auf eine abenteuerliche Verfolgungsjagd durch die Ödnis einer Welt in Trümmern. Ihr fehlender Arm ist dabei kein Handicap, sondern ein Zeichen für die zusätzliche Stärke, die man als Frau leider zeigen muss, um einem Mann in gewissen Situationen gleichgestellt zu sein – im Film wie im Leben.

In einem Lastwagen werden wir dann ins Herz eines phantasievollen Amazonasgebietes voller Gefahren reisen. Es erwarten uns dort ein paar Abtrünnige, die – unter Mitführung von reichlich Nitroglyzerin - nach Erlösung suchen. Dabei werden wir Zeuge des womöglich einzigen Suspension Films, der je gedreht wurde. Noch nie zuvor haben Achsen, Reifen und Karosserie eine größere Rolle in einem Film gespielt. Sie glauben uns nicht? Fragen Sie den Mechaniker Ihres Vertrauens!

Im Zug machen wir uns auf die Suche nach einer Liebe (und einem Zug), die in Richtung Osten unterwegs ist. Auf dem Weg werden wir 2.287 Meter Film mit Buster Keaton zurücklegen. In seiner Rolle geht Buster als badass in die Kinogeschichte ein, die einem Tom Hardy in nichts nachsteht und noch eine Prise Melancholie und Slapstick oben draufgelegt. Kein Wunder also gilt der Film als Werk des Weltkinoerbes, das sich nicht von zeitgenössischen Produktionen in Acht nehmen muss. Yes indeed, General.

In einem wandelnden Schloss, einer Steampunk-Variante der Karawane, die aus dem exzentrischen Geist des Genies Hayao Miyazaki entstand, durchqueren wir die traumhaften Landschaften eines zusammengewürfeltes Europas, welches das viktorianische England, das habsburgische Österreich und das Paris der Belle Époque vermischt. Als Katalysator von Phantasien und Träumen von atemberaubender Schönheit ist die Miyazakian-Maschine eine wahre Fabrik der Fiktion, die wir gerne mit Ihnen besuchen würden.

In einem Schiff werden wir mit dem legendären Klaus Kinski einem wahnsinnigen Traum nachjagen. Wenn Kinski das Ruder übernimmt, kann man als Zuschauer davon ausgehen, dass seine Darstellung Berge versetzt, um das verrückte Projekt nach seinem (Un-)Maß zu verwirklichen; schliesslich geht es hier um die Finanzierung einer Oper inmitten des Amazonas-Waldes. Noch einmal kehren wir an diesen wilden, magischen Ort zurück, der eine ungemein starke Anziehung auf grössenwahnsinnige Filmemacher hat.

In einer zum Fotoautomaten umgewandelten Karawane, werden wir schliesslich in Begleitung der Filmemacherin Agnès Varda und des Fotografen J.R. durch das ländliche Frankreich reisen. Auf einer Autoreise ohne Fokus auf Mechanik und Geschwindigkeit, werden wir dort Zeuge der Bewohner und feiern dabei ihre Blicke, ihre Gesichter und ihre Dörfer.

« En voiture, Simone ! », durch die Vielzahl an Fahrzeugen, die wie so viele Traum- oder Albtraum- (!) Maschinen dröhnen, bietet der Cinéclub Ihnen Gelegnheit, das Kino als das zu feiern, was es im Grunde ist: eine Kunst der Bewegung.

Ready for the ride ?

Für den Cinéclub,

Olivier Vonlanthen & Matthieu Troillet